Vielfalt leben, Unterschiede zulassen

Vielfalt leben, Unterschiede zulassen

Bayerischer Bildungsdialog über Werte und Kulturen

Im Rahmen des Bayerischen Bildungsdialogs des Verbandes katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern e.V. hat sich Heidi Keller, Professorin i.R., für einen kultursensitiven Ansatz in Kitas ausgesprochen. Es sei wichtig, auch andere Sozialisationsmuster zu kennen und zu reflektieren, betonte Keller am 22. Juni 2015 in ihrem Vortrag "Kultursensitive Pädagogik" im Münchner Karmelitersaal. Dies bedeute aber nicht, sie zu kopieren. Kitas müssten offen sein, für das, was Familien mit Migrationshintergrund mitbrächten und ihnen das Gefühl geben, sie könnten so kommen wie sie sind. „Ein wesentliches Element der christlichen Kultur ist der Dialog. Von daher ist Aufgabe und Herausforderung für katholische Kitas, ihr Profil in Vielfalt zu leben“, betont Pia Theresia Franke, Organisatorin und Geschäftsführerin des Verbandes.

In ihrem Vortrag zeigte Keller auf die Wechselwirkung von Kultur und Erziehung. Allen Kinden wäre aber zunächst gemeinsam, dass sie lieber mit anderen zusammen sind als alleine, dass sie gerne in Gesichter schauen und Hautkontakt haben. "Aber wie Mütter auf die Bedürfnisse eingehen ist von Kultur zu Kultur verschieden", so Keller. Für kultursensitive Arbeit in Kitas sei die Trias Wissen, Haltung und Können notwendig. Die unterschiedlichen Stile könnten kombiniert werden, wenn „Vielfalt gelebt und Unterschiede zugelassen werden“.

Im Zentrum der westlichen Welt stehe das Kind mit seinen Bedürfnissen, Wünschen und Vorlieben. Kennzeichen dafür sei, dass die Mutter oft exklusiv auf das Kind ausgerichtet sei. „Das innere Erleben des Kindes steht im Mittelpunkt“, so Keller. Gleichzeitig sei auch wichtig, dass die Kinder früh lernen, mit sich alleine zu sein. „Die Erziehung hier bezweckt die psychologische Autonomie des Kindes, die sich auf mentale Prozesse und eine reflektierende Lebenseinstellung bezieht“, erklärt Keller. Im weltweiten Vergleich erziehen 5% der Bevölkerung ihre Kinder nach diesem Prinzip, das auf einem hohen Bildungsstandart und einer gesicherten ökonomischen Lebensgrundlage basiert. Ganz im Gegensatz dazu stünden bäuerliche Kulturen wie beispielsweise in Afrikanischen Ländern. „Dort herrscht das Bild vom Kind als Lehrling vor, das sozial geprägt werden muss mit dem Ziel der Anpassung. Kinder sind immer mit anderen Personen zusammen, die Aufmerksamkeit der Mutter ist auf mehrere Kinder ausgerichtet und Kinder werden oft von anderen Kindern betreut. Im Vordergrund steht die Anregung der Sinne und der Motorik“, erklärt Keller. Wichtigstes Erziehungsziel sei die Handlungsautonmie des Kindes.

Keller appellierte auch an die Träger der Kitas. Es gebe viele an kulturellen Hintergründen interessierte Erzieherinnen. "Darin steckt ein großes Potential, das nicht verschenkt werden darf". In der Kette der pädagogischen Arbeit mit Kindern würden Erzieherinnen eine sehr bedeutsame Arbeit leisten. Der Bayerische Bildungsdialog wird vom Verband katholischer Kindertageseinrichtungen gemeinsam mit der Katholischen Stiftungsfachhochschule (KSFH) München organisiert. Er steht unter der Schirmherrschaft von Emilia Müller, Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration. AGF

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