Ungleichgewicht zwischen Arbeitsanforderungen und konkreten Bedingungen in Kitas

Katholischer Kitaverband: Attraktivität des Erzieherberufs stärken
Ungleichgewicht zwischen Arbeitsanforderungen und konkreten Bedingungen in Kitas

München, 1. Dezember 2020 – Die Ergebnisse der gestern veröffentlichen OECD-Studie „Talis Starting Strong“ haben noch einmal mehr bestätigt, dass die aktuellen Bedingungen im Bereich der Kindertageseinrichtungen nicht mit den gewachsenen Aufgaben Schritt halten. So soll das pädagogische Personal etwa lange Betreuungszeiten anbieten, Inklusion und Kinderschutzkonzepte umsetzen, verstärkte Zusammenarbeit mit Familien voranbringen und Bildungschancen für alle Kinder garantieren. „Das Ungleichgewicht zwischen den Arbeitsanforderungen und den zur Verfügung gestellten Ressourcen ist in Zeiten von Corona kaum mehr zu bewältigen“, betont Maria Magdalena Hellfritsch, Geschäftsführerin des Verbandes katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern. Seit Monaten würden Träger, Leitungen und pädagogisches Personal mit hohem Engagement am Limit arbeiten, um die notwendige Kindertagesbetreuung aufrecht zu erhalten. Andauernder Stress bis hin zur Erschöpfung sei die Folge. Mit Blick auf die Studie spricht sich Hellfritsch für den Ausbau angemessener Rahmenbedingungen für Kitas aus. „Die Tätigkeit muss zudem eine noch breitere gesellschaftliche Anerkennung finden“.

Ein wichtiger Baustein für die Steigerung der Qualität und Attraktivität des Erzieherberufs sieht Hellfritsch auch in der Schaffung von Fachkarrieren über Funktionsstellen in der Kita. Dies würde nicht nur zur Bindung der Fachkräfte beitragen, sondern auch zur Personalgewinnung. Gleichzeitig könnten über Aufstiegschancen mehr männliche Erzieher für die Tätigkeit gewonnen werden. Von der Studie wird in diesem Zusammenhang herausgestellt, dass sich das Kita-Personal nicht auf Funktionen wie Leitungstätigkeit oder Praxismentoring vorbereitet fühlt. Qualifizierende Fort- und Weiterbildungen führen zu mehr Professionalisierung. „Da aber chronischer Fachkräftemangel herrscht, können bestehende, gute Angebote oft gar nicht erst wahrgenommen werden“, erklärt Hellfritsch.

Bedenklich sei das Ergebnis der Studie, wonach 25% der befragten Fachkräfte in Erwägung ziehen würden, ihre Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen aufzugeben. „Angesichts der angespannten Personalsituation, die durch Corona noch verstärkt wurde, können wir es uns nicht leisten, auch nur eine Person zu verlieren“, betont Hellfritsch. Nach Berechnungen der Bayerischen Staatsregierung fehlen allein bis zum Jahr 2025 rund 30.000 Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen.

„Mit den katholischen Fachakademien für Sozialpädagogik sind wir überzeugt, dass die Ausbildung des Fachkraft-Nachwuchses in Deutschland sehr gut ist. Dies wurde auch durch die Ergebnisse der Studie bestätigt“, würdigt Hellfritsch. Das Ausbildungsniveau mindestens zu halten bzw. zu steigern sei daher ein wichtiges Zukunftsziel. HEL/AGF

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