Bayerischer Bildungsdialog 2018

Kinder haben ein Recht auf Spiel

Kinder haben ein Recht auf Spiel (CRC 31)

Im Rahmen des Bayerischen Bildungsdialogs hat der Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern e.V. einen Vortragsabend zum Thema „Raum für Kinderspiel! Aktionsräume für Kinder und sozialräumliche Bedingungen des Spielens" organisiert. Die Vortragsreihe steht in diesem Jahr unter dem Thema Spiel-Räume. "Wenn wir heute von Bildung, Erziehung und Betreuung sprechen, wird das Thema Spiel häufig vernachlässigt. Wir möchten mit dem Bayerischen Bildungsdialog 2018 dazu beitragen, dass das selbstgesteuerte Spiel der Kinder wieder stärker ins Zentrum der pädagogischen Überlegungen rückt“, erklärte Geschäftsführerin Maria Magdalena Hellfritsch einleitend. „Wir wollen deutlich machen, dass Erwachsene immer mehr Lernanforderungen an die Kinder stellen, also von außen auf sie einwirken – und das immer früher. Je jünger Kinder sind, umso mehr ist jedoch das Be-Greifen mit allen Sinnen wichtig“, so Hellfritsch. Es gehe um konkrete Erfahrungen beim Aufbau der kognitiven und psychischen Strukturen. „Kinder haben ein Recht auf Spiel“, betont Hellfritsch mit Blick auf den Artikel 31 des Übereinkommen über die Rechte des Kindes (Convention on the Rights of the Child, CRC), dem Recht auf  Ruhe, Freizeit und Spiel. Da Kinder auch ein Recht auf Mitbestimmung haben (CRC 12), müssten sie in allen sie betreffenden Angelegenheiten gehört werden, insbesondere auch was die sozialräumlichen Grundlagen ihres Spielens betreffe.

Räumliche Gestaltung beeinflusst Alltag und Entwicklung von Kindern

„Es gibt kaum einen Faktor, der den Alltag und die Entwicklung von Kindern mehr beeinflusst, als die räumliche Gestaltung des Wohnumfeldes und die damit verbundenen Möglichkeiten zum freien Spiel“, betonte Prof. Dr. Peter Höfflin, Professor für Soziologie und empirische Sozialforschung an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg in seinem Vortrag. Dies sei das zentrale Ergebnis mehrerer empirischer Studien, die im Forschungsverbund „Raum für Kinderspiel!“ durchgeführt wurden. Positiv auf die Entwicklungschancen von Kindern und deren Lebensqualität würden sich Räume auswirken, die sich durch Gefahrlosigkeit, Zugänglichkeit, Gestaltbarkeit und Interaktionschancen auszeichnen würden. Dies begründe einen Kinderalltag, in dem freies Spielen im Wohnumfeld vorherrsche und damit eigenständige Erfahrungen, Autonomie, Selbstbewusstsein und eine kreative Weltaneignung ermöglicht würde. Zudem wirke dies einer von Medien dominierten Kindheit vor.

Unterschiedlich ausgestaltete Sozialräume

Höfflin erläuterte, dass es im Hinblick auf die Sozialräume von Kindern Unterschiede in den städtischen Gebieten gebe. Durch die soziale Selektion in den Stadtteilen haben Kinder in Abhängigkeit von ihrer sozialen Herkunft unterschiedliche Spielraumbedingungen. Das Kinderrecht „Raum für Spiel!“ müsse daher institutionell nachhaltig in der Stadtentwicklung und Raumplanung verankert werden, beispielsweise bei Neubauplanungen, Stadtsanierungen und in Stadtteilentwicklungsplänen. Im Sinne der Partizipation wären Kinder als beteiligte Spielraumexperten auch bei der Städteplanung mit einzubeziehen.

Der Vortragsabend war Teil des Bayerischen Bildungsdialogs, den der Verband katholischer Kindertageseinrichtunge zusammen mit der Katholischen Stiftungshochschule München durchführt.  Die Vortragsreihe 2018 steht unter dem Leitwort „Spiel-Räume“ und stellt die Bedeutung des Spielens ins Zentrum. In allen Kulturen und zu allen Zeiten ist Spielen eine zentrale Aktivität des Kindes. Spielen ist für Kinder der Zugang zur Welt. Wie verändert sich  Spielen in einer sich rasant wandelnden Welt? Welchen Einfluss haben unterschiedliche Lebensbedingungen wie z.B. Digitalisierung, Verknappung des öffentlichen Raumes, Migration oder familiärer Wandel auf das kindliche „In-der Welt-sein“ im Spiel? Die Vorträge im Rahmen des Bayerischen Bildungsdialogs 2018 nehmen diese Themen in den Focus. AGF/HEL

Weitere Termine und Themen der Vorträge 2018:

3. Juli 2018: Inklusion im Spiel – Spiel in der Inklusion, Prof. Dr. Ulrich Heimlich, München
25. Oktober 2018: Spiel-Sachen – Zur Bedeutung der Dinge in der Frühpädagogik, Prof. Dr. Frithjof Grell, Bamberg
26. November 2018: Prokreativität trifft digitale Welt in der Kita, Prof. Dr. Daniela Braun, Koblenz

Bild (v.l.n.r.): Referent Prof. Dr. Peter Höfflin, Ludwigsburg, Prof. Dr. Helga Schneider, Katholische Stiftungshochschule, Geschäftsführerin Maria Magdalena Hellfritsch, Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl, Vorsitzender des Verbandes (Bildquelle: Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern e.V.)

Bayerischer Bildungsdialog

Die Veranstaltungsreihe für die Qualität der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung.

Vorträge 2018

25. Oktober 2018: Spiel-Sachen – Zur Bedeutung der Dinge in der Frühpädagogik, Prof. Dr. Frithjof Grell, Bamberg
26. November 2018: Prokreativität trifft digitale Welt in der Kita, Prof. Dr. Daniela Braun, Koblenz