Integrationsprojekte mit Familien- und Lebensweltorientierung

In gemeinsamer Verantwortung für eine authentische Willkommenskultur

Nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe UNHCR waren im Jahr 2016 weltweit 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht – mehr als die Hälfte davon sind Kinder. Auch in Bayern waren von den insgesamt 20.258 gestellten Asylanträgen im Zeitraum von Januar bis Oktober 2017 über 20% der Kinder unter 4 Jahren betroffen – die meisten von ihnen als Teil eines Familienbandes (vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2017). Um diese Familien zu erreichen und in ihrer sozialen Integration unterstützen zu können, müssen Kindertageseinrichtungen differenzierte, zielgruppenspezifische und besonders niedrigschwellige Angebotsformen entwickeln.

Unter dem Leitwort „Familien im Blick – Integration stärken!“ hat das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration (StMAS) Fördermittel für 30 Kindertageseinrichtungen zur Verfügung gestellt, die zusätzliche Maßnahmen zur Integration von Familien mit Fluchthintergrund durchführen. Auch Katholische Kindertageseinrichtungen zeigen Profil für Familien mit Fluchthintergrund: Insgesamt 15 katholische Kitas in den Bistümern Augsburg, Passau, Würzburg und der Erzbistümer Bamberg sowie München und Freising haben hierfür Projektanträge eingereicht. Die Projekte starteten im November bzw. Dezember 2017 mit einer insgesamt 19-monatigen Laufzeit.

Der Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern e. v. koordiniert die Kommunikation mit dem StMAS während der gesamten Projektphase und berät die Einrichtungen bei der Antragstellung und Abwicklung. "In gemeinsamer Verantwortung wollen wir für die Familien und deren Kinder eine authentische Willkommenskultur in unserer Heimat vorhalten. Wir wollen ihre Neubeheimatung unterstützen und ihnen das Gefühl von Zugehörigkeit, Geborgenheit, positiver Resonanz, Handlungsfähigkeit und Sinnhaftigkeit vermitteln“, so Maria Magdalena Hellfritsch, Geschäftsführerin des Verbandes.

„Wie andere Familien sind auch Familien mit Fluchthintergrund sehr heterogen. Im direkten Kontakt muss daher ermittelt werden, wie sie in einfühlsamer Begleitung mit ihren individuellen Bedürfnissen in die Gemeinschaft der Kindertageseinrichtung eingebunden werden können und welche Unterstützung sie dazu benötigen“, erklärt Hellfritsch. Die eingereichten Projektkonzepte der katholischen Kindertageseinrichtungen sind insgesamt von einer intensiven Familien- und Lebensweltorientierung gekennzeichnet. Dabei geht es auch um das Kennenlernen der örtlichen Hilfestrukturen und eine aktive Partizipation der Eltern. Die teilnehmenden Einrichtungen stellen eine Vielfalt an Angeboten bereit, u.a. Ausbau an Begegnungsmöglichkeiten durch Elterncafés, Einrichtung von Konversationskursen zu den Themen aus dem Kita-Alltag, Sozialsprechstunden, Workshops zur Familienbildung, Wertevermittlung und Einsatz von Laiendolmetschern. Auch für Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen der Teams zur Begleitung der Familien konnten Fördermittel beantragt werden. Integrationsbemühungen werden idealerweise von einem Netzwerk von Kooperationspartnern getragen. Die vielerorts bereits vorhandene Verzahnung von Frühförderstellen, Erziehungs- und Familienberatungsstellen, sowie schulvorbereitenden Einrichtungen und heilpädagogischen Tagesstätten kann über die Projekte erweitert werden, beispielsweise durch Einbezug von Vereinen oder Helferkreisen. Durch die breit angelegte Vernetzung im Sozialraum können Kindertageseinrichtungen zentrale Anlaufstellen für Familien mit Fluchterfahrung sein und verlässliche Unterstützung bieten. AB/HEL