Memorandum zum Thema Inklusion

Im Rahmen des Bayerischen Bildungsdialoges diskutiert und vom Vorstand des Verbandes katholischer Kindertageseinrichtungen verabschiedet:

Memorandum: Vielfalt im Blick: Auf dem Weg zur Inklusion in Kitas

Inklusion geht uns alle an!

Inklusion ist eine Vision und Aufgabe für die ganze Gesellschaft, der es Schritt für Schritt näher zu kommen gilt. Erfahrungen der Teilhabe und Gleichberechtigung stehen nach der Ratifizierung der UN - Konvention zum Schutze der Rechte von Menschen mit Behinderung in Deutschland im Mittelpunkt: Jeder Mensch muss mit seinen einzigartigen Eigenschaften und Ressourcen, mit seinen Stärken und Schwächen angenommen, beteiligt und gefördert werden. Das bedeutet ein Umdenken auf allen gesellschaftlichen Ebenen sowie die Wahrnehmung der Vielfalt der Menschen als Chance und Bereicherung. Erste Ansätze werden in der Praxis bereits umgesetzt und Wertschätzung der Verschiedenheit kommt in den Einrichtungen zum Ausdruck.

Die Kita spielt eine wichtige Rolle auf dem Weg zur Inklusion!

Kinder erfahren die Kita als ersten Ort, an dem sie in großer Vielfalt zusammenkommen, spielen, lernen und lachen können. Kinder mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen, sozialen Hintergründen, mit und ohne Handicaps, mit verschiedenen Ressourcen und Begabungen. Teilhabe, Teilgabe und Gleichberechtigung können hier verwirklicht und gelebt werden[1]. Die Kita hat die Chance, den Grundstein für eine inklusive Gesellschaft zu legen, in der sich Kinder, Eltern, pädagogische Fachkräfte, Träger und kooperierende Einrichtungen mit Respekt und Wertschätzung begegnen können.

Inklusion ist ureigener Auftrag katholischer Kitas!

Alle Menschen sind ein Abbild Gottes. Daher sind alle Menschen in ihrer Verschiedenheit gleichwertig und in ihrer Einzigartigkeit von Gott gewollt. Wir sind alle dazu berufen an Gottes Schöpfung mit zu wirken. In der konkreten Praxis können Kinderrechte eine wichtige Orientierung und Wegmarke bieten. Das ihnen zugrundeliegende Menschenbild stimmt mit dem christlichen Menschenbild überein[2].

Rahmenbedingungen: Inklusion darf kein Sparmodell sein!

Für die Qualität der Bildung, Erziehung und Betreuung in Kitas müssen Schritt für Schritt adäquate Rahmenbedingungen[3] geschaffen werden. Der Auftrag zur Inklusion stellt hohe Anforderungen an die Kitas und an die politischen Verantwortlichen. Optimale Begleitung und Förderung jedes einzelnen Kindes in der Kita erfordern eine deutliche Erhöhung der personellen, räumlichen und sächlichen Ausstattung der Kitas in Bayern. Von den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung wird erwartet, dass alles getan wird, um Inklusion erfolgreich umsetzen zu können. Eine Verwaltungsvereinfachung ist darüber hinaus erforderlich, um Eltern das Antragsverfahren zu erleichtern, damit Teilhabe ohne Ausgrenzung möglich ist. Praxis und Forschung zeigen deutlich, dass dazu zusätzliche Ressourcen notwendig sind[4].

Die Haltung der pädagogischen Fachkraft spielt eine entscheidende Rolle

Eine Pädagogik der Vielfalt erfordert eine pädagogische Haltung, die bei jedem Kind von den Stärken und Ressourcen ausgeht. Alle dürfen alles lernen, d. h. jede und jeder auf ihre und seine Weise und alle erhalten die jeweils dafür erforderlichen personellen und sachlichen Hilfen[5]. Träger und Leitungen sind daher immer wieder aufs Neue gefordert, pädagogische Fachkräfte für diese grundlegende Haltungsveränderung zu motivieren und zu begleiten. Vielfalt als Chance und Bereicherung für Kinder, Eltern und Mitarbeiter kann somit entdeckt werden. Es gilt, Vertrauen in die vorhandenen Potentiale des Kindes zu entwickeln und den Blick sensibel auf dessen ganz individuelle Fähigkeiten zu richten, ohne jedoch dies nur im Vergleich zu anderen Kindern oder starren Standards zu beurteilen. Zum einen bietet der Ansatz der vorurteilsbewussten Erziehung und Bildung hierfür eine gute Grundlage[6] und zum anderen befördert eine ressourcenorientierte Beobachtung und Dokumentation die professionelle Weiterentwicklung.

Eine inklusive Pädagogik muss entwickelt werden!

Um Inklusion in Kitas zu leben, ist neben dem Haltungswechsel eine konzeptionelle, strukturelle und fachliche Neuausrichtung nötig. Hierfür sind Prozesse der gemeinsamen Konzeptionsentwicklung, gezielte Aus-, Fort- und Weiterbildungen, Fachberatung, dauerhafte Selbstreflexion, kollegiale Beratung und professionelle Prozessbegleitung als qualitätssichernde Maßnahmen erforderlich[7]. Außerdem erfordert Inklusion die Vernetzung der Kita mit unterschiedlichen Akteuren vor Ort beispielsweise mit Frühförderstellen, Grundschulen und Einrichtungen im Pastoral- und  Sozialraum.

[1]Vgl.  „Alle sind gleich – alle sind verschieden!, Prof. Dr. Helga Schneider, In: ImpulsKita 1. JG 08/2014, S. 8-10

[2]Vgl.  „Inklusion – mal mit der „christlichen Brille“ betrachtet“, In: Zur Sache…Kita, Verband kath. Kindertageseinrichtungen Bayern

[3] Vgl. „Inklusive Bildung, Erziehung und Betreuung: Orientierungsrahmen für die verbandliche Caritas“ beschlossen vom Vorstand des Deutschen Caritasverbandes am 21. Juli 2013

[4] Vgl. „Empfehlungen zur Umsetzung der Inklusion in Kindertageseinrichtungen für Kinder mit Behinderungen“ vom 22.06.2014

[5] Vgl. „Integration – eine Frage der Didaktik einer Allgemeinen Pädagogik“, Feuser, Georg (1999). Link: http://bidok.uibk.ac.at/library

[6] Vgl. „Handbuch Inklusion: Grundlagen vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung“, Petra Wagner (Hrsg.), Freiburg, 2013

[7] Vgl. „Bausteine für Curriculum „Fortbildung Inklusion“ für Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen im Regel- und Förderbereich“,  Paper vom Deutschen Caritasverband und KTK-Bundesverband