Mehr Familienorientierung im System Kindertagesbetreuung

Vortragsabend im Rahmen des Bayerischen Bildungsdialogs am 9. Mai 2017 in München

Der Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern e.V. setzt sich für die konzeptionelle Ausrichtung der Kindertageseinrichtungen an der Lebenswelt von Kindern und Familien ein. „Das Konzept der Lebensweltorientierung stellt den Erfahrungsraum, die Bezugspunkte und Bedürfnisse von Kindern und Familien in den Mittelpunkt und leitet daraus Zielvorstellungen und Handlungsorientierungen für die pädagogische Arbeit in Krippen, Kindergärten und Horten ab. Im frühpädagogischen Diskurs soll dieser, in den 1970er Jahren entwickelte sozialpädagogische Ansatz, wieder verstärkt aufgegriffen werden. Auf der Grundlage einer demokratischen Erziehungsidee ist es Intention, Bildungsarrangements zu entformalisieren und stärker an den Vorstellungen und alltäglichen Situationen der Kinder und Familien anzusetzen“, so Geschäftsführerin Maria Magdalena Hellfritsch.

Lebensweltorientierung bezieht den gesamten Erfahrungsraum der Kinder mit ein

Im Rahmen des Bayerischen Bildungsdialoges fand deshalb am 09. Mai 2017 im Münchner Karmelitersaal ein Vortrag zum Thema „Lebensweltorientierung in der Kita“ statt. Referentin war Renate Thiersch, Lehrbeauftragte am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen. „Der Ansatz der Lebensweltorientierung stellt Bewältigungsanstrengungen im Alltag in den Vordergrund, betont die Stärken, Ressourcen, die Anerkennung der Person im Horizont sozialer Gerechtigkeit in den Mittelpunkt“, so Thiersch. Sie plädierte dafür, den gesamten Erfahrungsraum der Kinder mit einzubeziehen. Dazu gehöre die Lebenswelt Kita, die Lebenswelten des pädagogischen Personals, die Lebenswelt der Familie ebenso wie die räumlichen und sozialen Umwelten, in denen die Kinder sich bewegen. Als weitere bedeutsame Dimension komme die virtuelle Lebenswelt der Medien hinzu.

Stadtteil-Erkundungen, Lieblingsplätze und öffentliche Verhekrsmittel

Die Kindertageseinrichtung müsse Kindern bei der Aneignung ihres Lebensraums außerhalb von Familie und Kita unterstützen, so dass sie die dort gegebenen Spielmöglichkeiten, Freizeitangebote und Ressourcen kennen lernen und nutzen können. Als Beispiele nannte Thiersch regelmäßige Stadtteil-Erkundungen mit Spielen auf öffentlichen Spielplätzen, Besuchen in regionalen Betrieben und Einrichtungen der Infrastruktur sowie Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Gute Erfahrungen seien auch dabei gemacht worden, dass die Kinder den Fachkräften und den anderen Kindern ihre Wege zeigen und ihre Lieblingsplätze wie auch die Orte, an denen sie sich unwohl fühlen, besuchen.

Mehr finanzielle Förderung für die Weiterentwicklung zu Familienzentren

Für die Lebensweltorientierung stehen insbesondere Familienzentren, die Beratung und Hilfen für Familien einschließen. Der Verband Katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern e.V. unterstützt deren Ausbau in katholischer Trägerschaft und fordert hierfür zusätzliche staatliche finanzielle Förderung.

Weitere Termine am 17.10.2017 und 28.11.2017

„Familienorientierung – die Öffnung der Kitas nach innen und außen“ ist in diesem Jahr das Thema des Bayerischen Bildungsdialogs, den der Verband katholischer Kindertageseinrichtungen gemeinsam mit der Katholischen Stiftungsfachhochschule München seit 2013 organisiert. Interessierte aus Praxis und Wissenschaft, Politik, Kirche und Gesellschaft sind herzlich eingeladen zu aktuellen Themen der Frühpädagogik zu diskutieren. Beleuchtet werden aktuelle Herausforderungen, die mit den veränderten Aufgaben der Kindertageseinrichtungen verbunden sind. Weitere Themen des diesjährigen Bildungsdialoges sind „Kultursensitive Bildungs- und Erziehungspartnerschaft“ (17. Oktober 2017) und  „Medienwelten – Familienwelten“ (28. November 2017). AGF