Kooperationsfachtag „Familie schaffen wir nur gemeinsam“

Dr. Robert Seitz, den Abteilungsleiter Soziale Einrichtungen im Caritasverband für die Diözese Regensburg, über die Familienorientierung in Kindertageseinrichtungen. Das Interview entstand im November 2013 im Rahmen der Fachtagung "Familie schaffen wir nur gemeinsam.

Wie sieht Ihrer Meinung nach eine familienorientierte Kita in der Idealvorstellung aus?

Dr. Seitz: Eine familienorientierte Kita zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Familie einerseits entlastet und sie gleichzeitig als Keimzelle der Gesellschaft fördert. Der Entlastung dienen beispielsweise: ein Betreuungsangebot für ein breites Altersspektrum und  Öffnungszeiten, die sich an den Bedürfnissen der Eltern orientieren. Gleichzeitig müssen den Familien genügend Freiraum für gemeinsame Rituale, etwa zu Essenszeiten, und auch genügend unverplante Familienzeit bleiben. Wichtig ist außerdem, dass auch die Kita auf Familienfeste wie Weihnachten und Ostern hinführt und diese begleitet und bereichert. Zum zentralen Stützpfeiler kann eine Kita besonders in familiären Krisensituationen werden – für Kinder wie Eltern. Auch das bedeutet Familienorientierung im Idealfall.

Wer sollte bezogen auf Familienorientierung mit der Kita zusammenarbeiten und wie könnte Ihrer Meinung nach eine Zusammenarbeit aussehen?

Dr. Seitz: Durch ein Konzept der institutionellen Öffnung müssten institutionsspezifische Angebote in einem Gesamtkonzept integriert werden. Dabei verantwortet und organisiert die Leiterin bzw. der Leiter einer Kita die Angebote für Kinder und Eltern im Kontext der Kindertageseinrichtung. Die zusätzlichen eltern- bzw. familienbezogenen Beratungsangebote werden in gemeinsamer Verantwortung mit anderen Institutionen durchgeführt. Diese könnten unter dem Dach der Kita oder in Form eines Kooperationsmodells umgesetzt werden.

Wo liegen Hürden und mögliche Stolpersteine für Kitas, die sich für Familien einsetzen?
Dr. Seitz: Für den Aufbau systematischer Kooperationsbeziehungen sind zusätzliche Ressourcen erforderlich. Es braucht Regelungen, um die institutionsbezogenen Finanzierungslogiken zu überwinden. Für die Fachkräfte in den Einrichtungen braucht es spezifische Weiterbildungsangebote, die helfen, sich  differenziert mit den Lebensformen, den Bedarfslagen und den Sozialraumangeboten ihrer  Familien auseinanderzusetzen. Kommune und Träger müssen diese Öffnung und Weiterentwicklung wollen und finanzieren. Die Kita ist eine Aufgabe des öffentlichen Jugendhilfeträgers, der Träger ist kein Bittsteller.

Was wären aus Ihrer Sicht wesentliche Bedingungen, dass Familienorientierung in Kitas umgesetzt werden kann?  Wer könnte hierbei unterstützend wirken?
Dr. Seitz: Wesentliche Bedingungen für die Entwicklung einer Kita zu mehr Familienorientierung sind: erstens eine genaue, für die spezifische Kita gültige Sozialraumanalyse, zweitens zusätzliche zeitliche und damit finanzielle Ressourcen, die man den pädagogische Kräften zugestehen muss, und drittens genaue Absprachen zwischen Einrichtungsträger und den Akteuren anderer Institutionen; diese Absprachen sollten möglichst schriftlich vereinbart werden, um verbindlich zu sein. Die regelmäßige Begleitung durch eine einrichtungsübergreifende Fachberatung, wie sie der Diözesan-Caritasverband Regensburg für 400 katholische Kitas bereitstellt, kann maßgeblich zur Qualitätsentwicklung und -sicherung beitragen.  Umfassende Familienorientierung in Kitas ist nur dann möglich, wenn Träger und Kommunen dieses Konzept gemeinsam umsetzen wollen und dabei durch flankierende Maßnahmen seitens der Politik unterstützt werden. Es ist zu wünschen, dass der Kooperationsfachtag „Familie schaffen wir nur gemeinsam“ des Verbandes katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern mit den Diözesan-Caritasverbänden Regensburg und Eichstätt entscheidende Impulse setzen wird.

Der Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern und die Caritasverbände für die Diözesen Regensburg und Eichstätt veranstalteten am 20. November 2013 in AMberg den Fachtag "Familie schaffen wir nur gemeinsam".

Angelika Diller sprach in ihrem Vortrag „Alles unter einem Dach?“ über die familienorientierte Weiterentwicklung der Kitas. Prof. Dr. Matthias Hugoth von der Katholischen Hochschule Freiburg betrachtete in seinem Vortrag „Die Kita als familienunterstützende Bildungseinrichtung“. In vier unterschiedlichen Veranstaltungen mit erfahrenen Vertreterinnen und Vertretern der Praxis sind Nachmittag einzelne Aspekte des Themas vertieft worden.