Dialogfachtag am 3. Dezember 2015

Der Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern e.V. hat am 3. Dezember 2015 gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft Caritas Behindertenhilfe. Psychatrie (LAG CBP) einen Dialogfachtag organisiert.

"Im Bereich der Integration blicken Kindertageseinrichtungen auf eine lange Tradition und auf viele Erkenntnisse zurück, denn sie sehen hierin eine große Chance auf Teilhabe für jedes Kind. Hier wird auch deutlich, was Inklusion bedeutet: Nach der Behindertenrechtskonvention sollen dies keine Spezialrechte für Menschen mit Behinderung sein. Die Konvention fordert die allgemeinen Menschenrechte für alle Menschen – mit oder ohne Behinderung. Es geht um die Sichtweise eines gemeinsamen Zusammenlebens. Eine inklusive Pädagogik tritt für das Recht jedes Kindes ein, gemeinsam mit anderen gebildet und erzogen zu werden. Eigentlich selbstverständlich! Doch separieren wir nicht noch sprachlich, wenn wir von Regel-Kindertageseinrichtungen und Fördereinrichtungen sprechen? Wie inklusiv ist dabei unsere Sprache? Setzt nicht jede Bildung beim Bedarf des einzelnen Kindes ansetzen – egal welche Einrichtung das Kind besucht? Es ist dringend erforderlich, vom Kind aus zu denken", erklärt Fachreferentin Ricarda Mursch vom Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern.

Die Kindertageseinrichtung bietet das Größte freiwillige außerfamiliäre Angebot: 94,1%  (95,9% Bundesdurchschnitt) der Kinder zwischen 3 und 5 Jahren besuchen laut statistischem Bundesamt in[pf1]  Bayern die Kita. Der Besuch der Kindertageseinrichtung gehört wie  selbstverständlich  zur  (Bildungs-)Biographie der meisten  Kinder. 

In Kindertageseinrichtungen treffen Kinder mit vielfältigen Bedürfnissen und Voraussetzungen aufeinander:

  • 25% aller Kinder unter sieben Jahren, die in die Kita gehen, haben einen Migrationshintergrund. D.h. mindestens ein Elternteil ist ausländischer Herkunft. Bei den unter dreijährigen Kindern in Kita und Tagespflege haben 16% einen Migrationshintergrund, bei den Kindern im Kindergartenalter sind es 27% (KomDat 1&2 2011).
  • 34% der Kinder, die zu Hause überwiegend eine andere Sprache als Deutsch sprechen, werden in Einrichtungen betreut, in denen mehr als 50% der Kinder eine nichtdeutsche Familiensprache haben (Autorengruppe Bildungsbericht 2014).
  • 87% der Kinder mit Beeinträchtigungen besuchen einen allgemeinen Kindergarten (Beauftr. der Bundesregier. für die Belange beh. M.,  2013).
  • Rund 3% aller Kinder unter sieben Jahren in Kindertageseinrichtungen erhalten Eingliederungshilfe, haben also einen nachgewiesenen Förderbedarf (Autorengruppe Bildungsbericht 2014).
  • Rund 10% der Mädchen und Jungen in Deutschland leben in Familien, die mit weniger als der Hälfte des so genannten Medianeinkommens auskommen müssen. Der vierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung geht für 2010 von einer Armutsrisikoquote von ca. 16% aus (UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2013).

Mit Inkrafttreten der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung 2009 wurde Inklusion als Leitidee in Deutschland verankert. Damit vollzieht sich ein Paradigmenwechsel im deutschen Bildungssystem: alle Kinder sollen gemeinsam lernen können, unabhängig von individuellen Fähigkeiten und sozialer oder kultureller Zugehörigkeit. Vielfalt soll Wertschätzung erfahren und nicht zu Hierarchien, Diskriminierung oder Ausschluss führen.

"Inklusion ist derzeit die größte Herausforderung für die internationalen Bildungssysteme", betonte Mursch.

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