Das Wichtigste ist die Beziehungsarbeit

Zum Thema Eltern in Multiproblemlagen hat der Verband katholischer Kindertageseinrichtungen einen Vortragsabend organisiert. Die Referentinnen Dr. Waltraud Lorenz, Regensburg und Johanna Hofmeir vom Lichtblick Hasenbergl betonten dabei insbesondere die Herausforderungen für die Kindertageseinrichtungen. „Eltern in dieser Situation benötigen ein Netzwerk an Hilfen. Die Kita kann die Kinder und deren Familien in ihrer Lebenssituation begleiten und konkret unterstützen“, betont Pia Theresia Franke, Geschäftsführerin des Verbandes. Es sei ein Zeichen von Qualität der Kita, zum einen die Lebenswelt der Eltern zu erkennen und zum anderen einfühlsam damit umzugehen.

Dabei seien zunächst Eltern in Armutslagen und Eltern in Multiproblemlagen zu unterscheiden, denn sie bedürfen unterschiedlicher Hilfestellung. "Während in Familien in armen Haushalten noch eigene Bewältigungskompetenzen und das Interesse, die eigene Situation und die Situation des Kindes zu verbessern gegeben sind, ist diese Motivation in Multiproblemfamilien in Verbindung mit anhaltender Armutslage nicht mehr vorhanden. Die Handlungsfelder von Motivation sind erheblich eingeschränkt oder unerreichbar", so Lorenz. Der sozialpädagogische Auftrag der Einrichtungen für die betroffenen Familien nehme zu. "Er umfasst neben der Unterstützung im Rahmen der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft das Einschätzen der Lebenslage, Erkennen des Hilfebedarfs, sensible Kommunikation, Beratung und Vermittlung von Maßnahmen. Die Befriedigung der Grundbedürfnisse der Kinder wird zunehmend mehr eine Aufgabe der Einrichtungen, weil die Familie dazu nicht mehr umfassend in der Lage ist", so Lorenz. Das Wichtigste sei dabei die Beziehungsarbeit und der Blick auf die Fähigkeiten. "Dort ist die Motivation am höchsten". Daher sei es von Bedeutung, diese zu suchen und zu verstärken. Jeder kleine Baustein ist wichtig". Vortrag Dr. Lorenz zum Nachlesen.

Die Sozialpädagogin Johanna Hofmair stellt die von ihr gegründete Einrichtung Lichtblicks Hasenbergl vor. Derzeit werden dort rund 200 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen einem und 25 Jahen betreut sowie rund 80 Erwachsene. An die Kita sind weitere Einrichtungen wie eine Elternschule und Elterntraining angegliedert. "Uns ist ein früher Beginn wichtig sowie ein langer Verbleib", so Hofmair. Eine besondere Hürde sei für die Jugendlichen nämlich der Einstig in den Beruf. "Niemand hilft ihnen dabei, die Probleme zu bewältigen". Diese Phase erfordere besonders sensible Begleitung und intensives Training. Rund 80% der Eltern hätten keinen Schulabschluss und keine Berufsausbildung, so Hofmair. Aus ihrer Einrichtung gingen rund 50% mit mittlerem Bildungsabschluss hervor. "Wir müssen immer wieder genau hinschauen, was diese Familien brauchen. Aber wenn sie verstanden haben, dass wir ihnen wirklich helfen öffnen sie sich auch". Als "Reservefamilie" habe ein Kind die Einrichtung daher einmal bezeichnet. "Wir sind wie ein Gürtel, der außen um die Familie herum liegt. Dann sind auch Entwicklungen möglich", so Hofmair. Derzeit seien 24 Nationalitäten im Lichtblick Hasenbergl vertreten. "Wir sprechen mit Händen, Füßen und Zeichnungen".

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