Bildungsbericht 2022: Fachkräftemangel drängendstes Problem der Frühen Bildung

Für den Bericht „Bildung in Deutschland 2022“ analysierte das DJI unter anderem die Situation von Früher Bildung und Ganztagsbetreuung und hat in diesem Zusammenhang wissenschaftlich erneut dargelegt, dass der Fachkräftemangel das drängende Problem in der frühen Bildung ist.

Personallücke Mitte des Jahrzehnts am größten
In den kommenden Jahren werde der Personalnotstand am größten und damit zu einer Schlüsselfrage der Zukunftsfähigkeit der Frühen Bildung, so Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, Leiter der Nationalen Bildungsberichterstattung am DJI. Aktuellen Berechnungen zufolge werden in den Kitas im Jahr 2025 bis zu 73.000 Fachkräfte insbesondere im Westen Deutschlands fehlen. Dennoch werde sich die Kindertagesbetreuung in diesem Jahrzehnt vermutlich einem Ende ihres lang anhaltenden Wachstums nähern. Dies eröffnet die Chance einer neuen Qualitätsoffensive, so Rauschenbach.

  • Position des Verbandes katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern:

Der bestehende Fachkräftemangel und der anhaltend steigende Fachkräftebedarf werden seit Jahren thematisiert. Für die Erfüllung des Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrages in Kindertageseinrichtungen sind in Bayern rd. 104.000 Fach- und Ergänzungskräfte - davon im katholischen Bereich mehr als
32.000 Fach- und Ergänzungskräfte – verantwortlich (Bayerisches Landesamt für Statistik/Stand 01.03.2020). In der gesamten Kinder- und Jugendhilfe in Bayern werden nach Berechnungen des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales bis 2025 rund 19.400 Fachkräfte sowie 10.000
Ergänzungskräfte zusätzlich (StMAS/Stand 2020) gebraucht. Dies trotz des Ausbaus von Fachakademien für Sozialpädagogik, der Einführung der praxisorientierten Erzieherausbildung OptiPrax und der flankierenden Weiterbildungsmaßnahmen für pädagogisches Personal.

"Insgesamt braucht es zur Steigerung der Attraktivität des Berufsfeldes dringend eine deutlich höhere gesellschaftliche Wertschätzung, die letztlich nur durch Investitionen in das Arbeits- und Praxisfeld möglich ist", betont Geschäftsführerin Alexa Glawogger-Feucht. Der Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern e.V. und die Diözesan-Caritasverbände setzen sich daher für folgende Maßnahmen ein:

  • Finanzierungslücke in der gesetzlichen Betriebskostenförderung schließen
  • Fachakademien für Sozialpädagogik bedarfsgerecht ausbauen und ausbauhemmende bürokratische Vorgaben bei Schulneugründungen abbauen
  • Studienplätze an Hochschulen für angewandte Wissenschaften im Bereich der Sozial- und Kindheitspädagogik sowie im Bereich der Beruflichen Bildung mit Fachrichtung Sozialpädagogik ausbauen
  • Anerkennungsmodalitäten für fachverwandte und ausländische Abschlüsse zielführend anpassen
  • Ausbildungsvergütung für Träger, die Studierende anstellen, staatlich refinanzieren
  • Das Qualifikationsniveau der Fachkräfte auf DQR 6 sichern

Corona-Pandemie hat Bildungsungleichheit in der frühen Kindheit verstärkt
Weiteres Ergebnis des aktuellen Berichts war zudem, dass die Corona-Pandemie Bildungsunterschiede noch verstärkt habe. Corona habe dazu geführt, dass für viele Kinder in dieser Zeit Bildungsimpulse und spezifische Förderungen in der Kita sowie die Anregungsqualität durch Gleichaltrige entfallen sind. Zusätzlich haben sich zwischen 2019 und 2021 die Unterschiede in der Unterstützung der Kinder in den Familien vergrößert. Zwar kam es bei vielen Aktivitäten, die Mütter mit ihren Kindern ausübten, in diesem Zeitraum zu einer durchschnittlichen Zunahme, jedoch war die Ausübung von expliziten Bildungsaktivitäten wie Vorlesen noch stärker als bislang vom elterlichen Bildungsstand abhängig. So wurde Kindern von Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss im Jahr 2021 mit 19 Tagen im Monat deutlich seltener vorgelesen als bei höheren Abschlüssen; hier lag dieser Wert bei 26 Tagen pro Monat.

AGF/DJI