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Es war das dritte Jahr des Ersten Weltkrieges: Viele Männer waren im Krieg, Frauen mussten zum Dienst in die Fabriken. Die Hungersnot war immens, Kinderspeisungen wurden eingeführt. Die katholischen Einrichtungen nahmen sich verstärkt der aufsichtlosen Schulkinder an. Geistliche Herren aus den bayerischen Diözesen gründeten den Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern schließlich am 24. Januar 1917 in München.

„Im Zeitstrahl der Geschichte des Verbandes lässt sich ein roter Faden der Anliegen erkennen. Seit der Gründung standen die Belange der Kinder und ihrer Familien im Zentrum aller Bemühungen. Aus christlicher Verantwortung heraus nahmen die Verantwortlichen stets die aktuelle Lebenssituation der Familien und deren Bewältigung in den Blick“, so Geschäftsführerin Maria Magdalena Hellfritsch. „Man war sich zunehmend bewusst, dass man sich zusammenschließen muss um mehr Wirkkraft zu entwickeln, betonte Prälat Bernhard Piendl, Vorsitzender des Verbandes, den Gründungsgedanken.

Am 24. und 25. Januar 2017 fand anlässlich des 100. Gründungstages unter dem Leitwort „Die Stimme für Kinder“ ein Symposium und Festakt in der Katholischen Akademie Bayern in München mit rund 200 Teilnehmenden statt. Vertreter aus Kirche, Gesellschaft und Politik wie Landtagspräsidentin Barbara Stamm und die Bayerische Sozialministerin Emilia Müller würdigten das Engagement des Verbandes. Auch die jetzige Caritasdirektorin von Würzburg und Geschäftsführerin des Verbandes 2011 bis 2016, Pia Theresia Franke, hat daran teilgenommen und Rückschau gehalten.

Der Würzburger Domkapitular Clemens Bieber betonte in seinem Grußwort für den KTK-Bundesverband die Bedeutung der Herzens- und Persönlichkeitsbildung. „Kinder, die emotional geborgen und verwurzelt sind, in denen die Freude am Leben geweckt, das Zutrauen in die eigenen Begabungen gestärkt und das Miteinander als Bereicherung erlebt wird, haben die besten Voraussetzungen, ihr Leben und ihre Fähigkeiten zu entfalten“.

Im Rahmen des Symposiums die Freiburger Professorin für Religionspädagogik, Mirjam Schambeck, für mehr interreligiöse Bildung in den Kindertageseinrichtungen ausgesprochen. Die Vielfalt von verschiedenen Religionen sei Realität. Religiöse Bildung im Sinnen einer interreligiösen Bildung trage dazu bei, Vorurteile abzubauen und zugleich eine Überzeugung für das eigene Leben zu finden. „In den katholischen Kindertageseinrichtungen spiegelt sich die Vielfalt der Kulturen und Religionen. Im täglichen Miteinander wird für Kinder und Erwachsene konkret erlebbar, wie ein friedvolles Zusammenleben verwirklicht werden kann ohne dass der Einzelne seine eigene Position aufgeben muss. Keiner sollte dabei ausgeschlossen werden“, so Hellfritsch. Im Rahmen des Festaktes sprach sich Kardinal Reinhard Marx für mehr Wertschätzung der Frühpädagogik gegenüber aus. Katholische Kindertageseinrichtungen sollten Orte sein, wo der Glaube gelebt und religiöse Bildung in einem ganzheitlichen Sinne verstanden werde. „Es muss dort deutlich werden, dass jeder Mensch ein Geschenk Gottes an die Welt ist“, so Marx. Zudem hat sich Marx für eine enge Anbindung der katholischen Kindertageseinrichtungen an die Pfarrei ausgesprochen. „Pfarrei und Kindergarten gehören zusammen“. Dennoch müsse es Überlegungen geben, wie Pfarreien in Bezug auf die Verwaltung der Kitas entlastet werden können. „Dies schmälert aber nicht die Präsenz der Pfarreien in der Kita. Wir halten daran fest, Träger von Kindertageseinrichtungen zu sein“. Dies sei auch ein wichtiger Dienst an der Gesellschaft. „Wir müssen dort präsent sein, wo die Menschen uns brauchen“. AGF

Bericht 24. Januar 2017

Bericht 25. Januar 2017